Die BBC macht’s vor – Unternehmenskommunikation über WhatsApp könnte das nächste große Ding werden

Ein Beitrag vom BBC-Blog Ende Juli hatte meine vollste Aufmerksamkeit erhalten: Die BBC hat über die Wahlen in Indien per WhatsApp und WeChat berichtet. Insbesondere WhatsApp machte mich natürlich stutzig – in unseren Gefilden ja mit Sicherheit der am meisten verbreiteste Messenger. Dazu stellten sich mir gleich zwei Fragen: Wie haben sie das Ganze bewerktstelligt? Und noch viel wichtiger: wie könnte man das für die eigene Unternehmenskommunikation nutzen? Welche Chancen bieten sich mir da? Ich will diese Fragen gleich mal beantworten.

Der Vollständigkeit halber: auch der Blackberry Messenger BBM (in Nigeria) und Mxit (in Südafrika) kamen zum Einsatz – in meinem Beitrag will ich aber speziell auf WhatsApp eingehen, was für mich das Spannendste ist.

Was hat die BBC also gemacht?

Eigentlich genauso einfach wie genial! Sie haben sich ein Smartphone genommen, WhatsApp installiert und den Account in „BBC NEWS INDIA“ benannt – was ja bekanntlich sehr einfach geht. Dann noch ein passendes Profilbild, fertig ist die Anmeldung. Dann der so einfache wie geniale Teil: die Nutzer sollten einfach an die Nummer der BBC eine Nachricht per WhatsApp schreiben, damit die BBC wusste, dass der Nutzer sich für die neue Art „Newsletter“ einschreibt. Über die Broadcast-Funktion war es dann für die BBC einfach, ihren Content zu verteilen – jeder Nutzer erhält die Nachricht dann, als würden nur er und die BBC miteinander verteilen, die BBC muss die Nachricht aber nur einmal versenden.

Quelle: BBC.

So einfach funktioniert das Ganze.

Quelle: BBC.

Zudem hat die BBC klar gemacht, dass höchstens 3 News pro Tag verschickt werden – also Spam-Gefahr für die Nutzer reduziert. Gesendet wurde nicht nur Text, sondern auch Videos, Sprachnachrichten und Bilder in Form von Infografiken, etc. Außerdem wurden Emoticons eingesetzt, indem die BBC fragte, wie die Reaktion der Nutzer zu einem bestimmten Thema aussieht – die Engagement Rate war wohl enorm hoch, hunderte Antworten ließen ein Stimmungsbild ersichtlich werden.

Quelle: BBC.
Quelle: BBC.

Wie können Unternehmen diese Methode für sich benutzen?

Ganz klar, dieses, ich nenne es mal Messenger Marketing, bietet natürlich einen Haufen Vorteile. Die Nutzer sind ständig online, erhalten eine Push-Benachrichtigung wenn man ihnen schreibt, es kostet nichts und der Aufwand ist auch eher gering: Es muss lediglich die Broadcast-Liste aktuell gehalten werden (manuell…) mit neuen Abonnenten und Abspringern. Man wird auf jeden Fall wahrgenommen – mehr noch als auf Facebook, würde ich provokant mal sagen.

Aber zunächst müssen die Nutzer natürlich erst einmal gewonnen werden. Probleme könnten im mangelnden Vertrauen der Nutzer in den Datenschutz solcher Messenger-Dienste gesehen werden. Zudem glaube ich, dass viele Angst haben werden, dass das Unternehmen sie ständig nervt mit irgendwelchen Neuigkeiten, etc.

Unter gewissen Bedingungen könnte es sehr gut funktionieren!

Deshalb müssen schon vorab Bedingungen festgelegt werden: Z.B., dass das Unternehmen nur sehr wenig Nachrichten schreibt (höchstens einmal pro Tag) oder dass vertraulich mit den Handynummern der Nutzer umgegangen wird und sonstige Aktivitäten wie Werbeanrufe an diese Nummer nicht erfolgen werden.

Wenn dies klar ist und das Unternehmen sich auch daran hält – wieso sollte es nicht funktionieren? Ich glaube dabei auch ein bisschen an die Experimentierfreude mancher Nutzer: „Schauen wir halt mal, was das sein soll.“ Zudem sollte diese neue Methode schön beworben werden und – ganz wichtig – geschrieben werden sollte in der gängigen Sprache von WhatsApp! Und nicht im geschwollenen Business-Hochdeutsch.

Anwendungsmöglichkeiten? Dutzende!

Ich muss nicht lange darüber nachdenken, um auf Anwendungsbeispiele zu kommen. Nehmen wir die Bankenbranche: Ein Support-Center für das Online Banking: Wenn es Probleme mit der Sicherheit gibt, neue Phishing Mails im Umlauf sind, etc. – eine Nachricht per Whatsapp an die Nutzer und diese wissen bescheid. Schneller als über E-Mail, schneller als über Facebook. Und Gedanken über Datenschutz muss man sich bei solchen Meldungen auch nicht machen. News-Seiten können ein tägliches News-Update liefern. Und so weiter. Das zieht sich durch jede Branche!

Mein Fazit: Große Chance, aber…

…klar muss auch sein, dass dies nicht darauf hinaus laufen wird, das ein Unternehmen vierzig oder fünfzig Unternehmen über WhatsApp abonniert. Nein, ich denke die Zahl wird bei unter zehn bleiben. Viel zu viel hat man schon zu tun mit den ganzen Freunden, mit denen man per WhatsApp Kontakt hält – und den ganzen Gruppen. Das kann, um mal provokativ zu sein, anstrengend genug sein, da braucht man nicht auch noch einen Haufen Unternehmen, die einem schreiben. Aber dennoch sehe ich darin eine Chance für Unternehmen, die früh auf den Zug aufspringen. Und wer weiß, was die Zukunft bringt. Nur eines darf über diese Kanäle nicht gemacht werden: Werbung! Dann könnte diese Chance schnell zum Risiko werden.

Wie seht ihr das Ganze? Würdet ihr ein Unternehmen unter gewissen Bedingungen auf diese Weise abonnieren? Gibt es eine Chance für Messenger Marketing? Ich freue mich auf eure Antworten!

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